Stadtführung zu den Stationen der Verfolgung in Rheine 1933-1945

Im Fach Gesellschaftslehre wird in Klasse 9 derzeit das Thema „Nationalsozialismus“ behandelt und parallel dazu im Deutschunterricht das Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ gelesen. Eine Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte ist somit fachübergreifend ausgelegt und findet auf verschieden Ebenen statt. Dazu gehören auch Unterrichtsgänge wie z.B. ein gemeinsamer Kinobesuch, um den Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ zu sehen, der Besuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen im Rahmen der Klassenfahrt nach Berlin sowie eine Stadtführung zu den Station der Verfolgung in Rheine 1933 – 1945.

Die Stadtführung begann am alten Rathaus unter Leitung von A. Schaper, der sich freundlicherweise die Zeit nahm, den Schülerinnen und Schülern der Klasse 9c die Geschichte der Stadt Rheine im Nationalsozialismus am Beispiel ausgewählter Stationen der Verfolgung zu vermitteln.

Neben dem Rathaus, das mit seiner Verwaltung eine wichtige Rolle bei der örtlichen Organisation von Verfolgung und Deportationen spielte, wurden weitere Orte in Rheine besucht, wie z.B. das Volkshaus an der Rosenstraße, das die Rheinenser Geschäftsstellen der Freien Gewerkschaften und der SPD beherbergte. Herr Schaper berichtete von der gewaltsamen Stürmung und Beschlagnahmung des Volkshauses durch die Nazis im Mai 1933 und beantwortete die Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Zu den Stationen der Verfolgung gehörten auch die zahlreichen Stolpersteine, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der NS-Zeit von den Nazis verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln und befinden sich vor den ehemaligen Wohnhäusern dieser Menschen. 

Vorm Falkenhof zeigte Herr Schaper ein Foto von einem dortigen SA Aufmarsch und erklärte, dass die SA Standarte 255 ab 1934 im Falkenhof untergebracht war und dort Gefängnisse unterhielt. In diesen Gefängnissen wurden Gegner der Nazis gefoltert und gefangen gehalten. Im Laufe der Reichskristallnacht brachte man auch die jüdischen Männer an diesen Ort und hielt sie dort fest.

Die Schüler und Schülerinnen waren sichtlich schockiert, kannten sie den Falkenhof bislang nur als Ziel von netten Ausflügen mit der Schule. Ähnlich erging es ihnen mit dem heutigen Emsland-Stadion, das früher „Adolf Hitler Kampfbahn“ hieß und u.a. als Aufmarschplatz für die Nazis diente.

Gegen Ende der Führung ging es zur ehemaligen Synagoge an der Salzbergener Straße. Sie wurde während der Reichskristallnacht im November 1938 in Brand gesetzt, zerstört und anschließend von den Nazis abgerissen. Seit 1961 erinnert ein Gedenkstein an das jüdische Gotteshaus. 

Die Stadtführung zu den Stationen der Verfolgung in Rheine 1933-1945 von Herrn Schaper war für die Schülerinnen und Schüler sehr informativ und eine interessante Ergänzung zum Fachunterricht in der Schule.