Zeichen für den Frieden

Liebe  Eltern,

 wir, die Schulleiterinnen und Schulleiter der Schulen in Rheine, sind bestürzt über den Krieg in der Ukraine und die aggressive Invasionspolitik der russischen Regierung. Mit großer Sorge erleben wir auch die Ängste und Verunsicherungen unserer Schülerinnen und Schüler, mit denen wir bereits am Donnerstag und Freitag in einem intensiven Austausch waren. Als Lehrkräfte und Schulleitungen sind wir zu politischer Neutralität verpflichtet und folgen diesem Grundsatz in unserem Unterricht auch konsequent. Was wir aber aktuell erleben, ist eine ernsthafte Bedrohung aller parteiübergreifenden Werte unserer demokratischen Verfassung, die zu verteidigen wir uns ebenso in besonderer Weise verpflichtet fühlen.

 Um ein deutliches Zeichen dafür zu setzen, wie wichtig uns diese Werte – die Wahrung der allgemeinen Grund- und Menschenrechte, der Frieden, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Demokratie – sind, werden wir uns am Donnerstag mit allen Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung gegen 9h auf dem Schulhof versammeln, um unserem gemeinsamen Wunsch nach Frieden Ausdruck zu verleihen. Auch als „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ fühlen wir uns zu diesem Bekenntnis verpflichtet. Die Teilnahme an dieser Aktion ist selbstverständlich freiwillig.

 Wir wissen, dass wir mit dieser Aktion keinen Eindruck bei den Urhebern dieses Kriegs hinterlassen können. Wir sind aber der Meinung, dass wir dieses klare Bekenntnis unseren Schülerinnen und Schülern schuldig sind, denen wir unablässig und fachübergreifend die oben angesprochenen Werte vermitteln, die in unserer freiheitlichen Verfassung verankert sind. Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern mit dieser Aktion auch den Raum schaffen, ihren Sorgen über einen Krieg in Europa und ihrer Sehnsucht nach einer friedlichen Zukunft Ausdruck zu geben.

Neben den genannten Sorgen nehmen wir bei vielen unserer Schülerinnen und Schüler auch Verunsicherung wahr, weil sie sich wegen ihrer russischen Abstammung, wegen ihrer Verwandtschaft zu anderen osteuropäischen Nationen von der politischen Entwicklung in Osteuropa in besonderer Weise betroffen und von den vielen Diskussionen und Medienbeiträgen besonders angesprochen  fühlen. Auch Sie, liebe Eltern, haben vielleicht Angehörige in Russland oder in angrenzenden Ländern und lesen diese E-Mail mit gemischten Gefühlen. Daher sollen Sie unbedingt wissen, dass sich die von uns geplante Aktion ausdrücklich nicht gegen Ihr Heimatland, nicht gegen die russische Bevölkerung, der wir uns auch aus geschichtlicher Verantwortung besonders verpflichtet fühlen, richtet. Wir sind vielmehr davon überzeugt, dass auch die Mehrheit der russischen Bürgerinnen und Bürger diesen Krieg ablehnen.

 Wir wollen ein entschiedenes Zeichen gegen den Krieg und diejenigen, die ihn zu verantworten haben, setzen. Und wir wünschen uns, dass wir schon bald mit unseren Schülerinnen und Schülern wieder darüber reden können, wie viel Solidarität und Friedenswille in einer zivilisierten Gesellschaft doch bewirken können.

 Mit freundlichen Grüßen,

 die Schulleitungen der weiterführenden Schulen